Bei Gebäuden geht es um Dächer und Böden. In Anlagen geht es um Technik. Asbest wurde dort eingesetzt, wo Temperatur, Druck und Reibung hoch waren, und das betrifft nicht das Bauwerk, sondern die Ausrüstung.
Die typischen Fundstellen
- Flanschdichtungen in Rohrleitungssystemen, besonders bei Dampf und Prozessmedien
- Stopfbuchspackungen in Armaturen, Pumpen und Schiebern
- Isolier- und Dichtschnüre an Kesseltüren, Öfen und Schauklappen
- Asbestpappen als Wärmeabschirmung an Aggregaten
- Bremsbeläge und Kupplungsscheiben an Kranen, Aufzügen und Werksmaschinen
- Elektroisolierungen in Schaltanlagen und an Heizelementen
Warum das die Instandhaltung betrifft
Diese Bauteile werden nicht beim Abbruch angefasst, sondern bei jeder Wartung. Ein Flansch wird geöffnet, eine Dichtung erneuert, eine Stopfbuchse nachgepackt. Jeder dieser Vorgänge ist eine Tätigkeit mit Asbest, wenn das Material asbesthaltig ist. Das bedeutet: Sachkunde, Verfahren und Dokumentation sind nicht Sache eines Sanierungsprojekts, sondern Teil der laufenden Instandhaltung.
Kombination mit KMF
Häufig liegen beide Stoffe an demselben Bauteil: Die Rohrleitung ist mit alter Mineralwolle gedämmt, die Abstandshalter und Dichtungen sind asbesthaltig. Dann gilt für die Gesamtmaßnahme das strengere Regelwerk. In einem Projekt an einem Chemiestandort betraf das 190 Tanks mit KMF-Dämmung und asbesthaltigen Abstandshaltern, zusammen mit 15 Kilometern Rohrisolierung.
Vorgehen bei laufendem Betrieb
- 01Anlagenteile und Dichtungssysteme erfassen, nach Medium und Temperatur gruppieren.
- 02Proben je Dichtungstyp nehmen, nicht je Flansch.
- 03Ergebnisse in das Anlagenkataster übernehmen und im Wartungsplan hinterlegen.
- 04Für asbesthaltige Systeme eine Arbeitsanweisung erstellen, die bei jeder Wartung greift.
- 05Austausch gegen asbestfreie Systeme im Revisionsfenster planen, nicht im Störfall.
Der letzte Punkt ist der wirtschaftlich entscheidende. Ein geplanter Austausch im Stillstand kostet einen Bruchteil eines ungeplanten Eingriffs im laufenden Betrieb, bei dem Abschottung und Schutzbereich unter Zeitdruck aufgebaut werden müssen.
Häufige Fragen
/01Sind alte Flanschdichtungen immer asbesthaltig?
Nein, aber in Anlagen mit Dampf- und Prozessmedien aus der Zeit vor 1993 ist es häufig. Sinnvoll ist eine Beprobung je Dichtungstyp und Anlagenkreis, nicht je einzelnem Flansch./02Darf die eigene Betriebstechnik einen asbesthaltigen Flansch öffnen?
Nur mit der geforderten Fachkunde, einem geeigneten Verfahren und dokumentierten Schutzmaßnahmen. In der Regel ist es sinnvoller, solche Arbeiten an einen Fachbetrieb zu geben und in den Wartungsplan aufzunehmen./03Was ist bei Bremsbelägen an Kranen zu beachten?
Bremsbeläge geben beim Betrieb und besonders beim Wechsel Fasern frei. Der Wechsel gehört in einen abgegrenzten Bereich mit Absaugung, das Altmaterial in die Entsorgung als gefährlicher Abfall.