Mineralwolle sieht heute so aus wie vor vierzig Jahren. Der Unterschied liegt in der Faser: Alte Mineralwolle ist biobeständig, das heißt, ihre Fasern lösen sich im Körper nicht auf. Sie ist deshalb als krebsverdächtig eingestuft. Neue Mineralwolle ist biolöslich und freigezeichnet.
Kriterium 1: das RAL-Gütezeichen
Das verlässlichste Merkmal vor Ort ist das RAL-Gütezeichen Erzeugnisse aus Mineralwolle. Es kennzeichnet Produkte, die die Freizeichnungskriterien erfüllen. Verlässlich vergeben wird es erst ab 1998. Findet sich das Zeichen auf der Verpackung oder auf dem Produkt, ist die Wolle unbedenklich.
Kriterium 2: der Einbauzeitraum
| Einbau | Einschätzung |
|---|---|
| vor 1996 | alte Mineralwolle, als Faustregel anzunehmen |
| 1996 bis 1998 | Grauzone, ohne Nachweis von alter Mineralwolle ausgehen |
| ab 1998 | in der Regel freigezeichnet, Gütezeichen prüfen |
Das Baujahr des Gebäudes hilft nur bedingt, weil Dämmung nachgerüstet und mehrfach ergänzt wird. Entscheidend ist der Einbauzeitpunkt der Dämmung, nicht der des Gebäudes. In Dachgeschossen liegen häufig zwei Generationen übereinander.
Kriterium 3: der Kanzerogenitätsindex
Der Kanzerogenitätsindex beschreibt die Zusammensetzung der Faser und damit ihre Biolöslichkeit. Neue Mineralwolle gilt als freigezeichnet, wenn der Index mindestens 40 erreicht oder die Biolöslichkeit in einem Prüfverfahren nachgewiesen ist. Zusätzlich gelten Anforderungen an den Faserdurchmesser und die Halbwertszeit im Gewebe. Alte Mineralwolle liegt unter diesem Wert.
Dieses Kriterium ist das einzige belastbare, und es ist nur im Labor feststellbar. Eine Materialprobe kostet wenig und schafft Klarheit. Bei größeren Mengen ist sie in jedem Fall der günstigere Weg gegenüber einer Sanierung, die vorsorglich nach dem strengeren Regelwerk kalkuliert wird.
Was nicht funktioniert
- Farbe: Gelb, weiß, braun oder grün sagt nichts über die Faser
- Griff: Alte Wolle wirkt oft spröder, das ist aber kein Kriterium
- Hersteller: Dieselben Hersteller produzierten vor und nach der Umstellung
- Bindemittelgeruch: kein Zusammenhang zur Biobeständigkeit
Wo sie liegt
- Zwischensparrendämmung und Aufsparrendämmung im Dach
- Dämmung hinter Vorsatzschalen und in Trockenbauwänden
- Rohrleitungsisolierungen in Heizungs- und Prozessanlagen
- Tank- und Behälterdämmung in Industrieanlagen
- Kesselverkleidungen, Lüftungskanäle, Schalldämmung an Aggregaten
- Dämmung in Fertighauselementen und Deckenhohlräumen
Häufige Fragen
/01Ist alte Mineralwolle gefährlich?
Sie ist als krebsverdächtig eingestuft, weil ihre Fasern lungengängig und biobeständig sind. Im eingebauten, geschlossenen Zustand ist das Risiko gering. Beim Ausbau entstehen Faserstäube, weshalb dann die TRGS 521 anzuwenden ist./02Wie erkenne ich alte Mineralwolle sicher?
Sicher nur über eine Materialprobe und Laboranalyse. Vor Ort geben Einbauzeitraum und ein etwaiges RAL-Gütezeichen Anhaltspunkte, keinen Nachweis./03Muss alte Mineralwolle entfernt werden?
Nicht allein wegen ihrer Existenz. Solange sie geschlossen eingebaut ist und nicht daran gearbeitet wird, besteht kein Handlungsbedarf. Sobald das Bauteil geöffnet wird, gilt die TRGS 521./04Was bedeutet ein Kanzerogenitätsindex von 40?
Er ist die Schwelle der Freizeichnung. Ab einem Index von mindestens 40 oder bei nachgewiesener Biolöslichkeit gilt die Mineralwolle als unbedenklich. Darunter ist sie als alte Mineralwolle einzustufen.